Benjamin Schubert - Vita

Geboren (1961) und aufgewachsen in Hamburg, wo er heute noch lebt und als frei schaffender Künstler arbeitet

Ausbildung
1980-87: Maschinenbau und Werkkunstschule Hannover; Studienaufenthalte in Paris: École nationale supérieure des beaux-arts, Atelier Jean Tinguely

Abschluss
Dipl. Ing. Maschinenbau

Auszeichnungen/Preise

  • Kunstpreis der Stadt Augsburg (2001), 2. Platz im Wettbewerb für die Landeszentralbank Hamburg (1991)
  • Ausstellungen (Auswahl)
  • "ZEITformen" 1991 Hamburg, 1992 Würzburg, 1993 Flensburg
  • "Nord Art" 2000, 2001, 2003, 2004 KIC; Büdelsdorf
  • Galerie Schmalfuß Marburg: 2001 Nacht der Kunst, 2002/06 Künstler der Galerie, 2006 Kunstmesse Bodensee und Madrid
  • "Corso der Lichtgestalten" 2004 in 36 deutschen Städten, 2005 Salon Hamburg, 2007 Landeshaus Kiel
  • 2007 "Nordskulptur Licht", Neumünster; "Schöner Schein" Kunsthalle Osnabrück;
  • "Landart Bissee" bei Neumünster; "LichtGestalt" und "KunstNAH" Hamburg; "Erleuchtung" Seefeld

Aktuelle Projekte

  • Mitwirkung bei der Konzeption und Realisation des "Skulpturenpark Pampin"
  • In Planung: "WUGG - Wenn´s um Geld geht" - Skulpturenprojekt mit 9m hoher Neonskulptur 2000
  • "114 Kunst am Hochwasserbassin" - Konzept zur Entwicklung eines Zentrums für Skulpturenbau in Hamburg

Portrait - Schaffen - Werk
Benjamin Schubert sprüht als Künstler vor Ideen. Als diplomierter Maschinenbauer versteht er sein Handwerk und kann seine Ideen adäquat realisieren. Seinen Arbeiten widmet es sich mit reflektiertem Ernst und spielerischer Lust zugleich. Er ist ein Lebenskünstler, der sich mit den wichtigen Fragen unserer Zeit auseinandersetzt, Antworten sucht und sich in seiner Lebenslust nicht durch negative Entwicklungen beeinträchtigen lässt. Der Zukunft sieht er optimistisch entgegen. Lebensfreude und positive Energie, Optimismus und Bodenhaftung - diese wesentlichen Charakteristika der Person Benjamin Schubert strahlen auch seine Werke aus.

Sein großes Vorbild und Meister war Jean Tinguely, dem er während seines Pariser Studienaufenthalts an der Ecole nationale supérieure des beaux-arts im Atelier bei der Arbeit zuschauen und Ideenkonzepte diskutieren konnte. Dem Meister folgend, hat er bereits in seinen frühen Schaffensjahren kleine Maschinen gebaut. Und immer wieder Skulpturen - auch monumentale - aus Fundstücken zusammengesetzt.

In den 1990 er Jahren hat er vor allem mit Eisenfundstücken gearbeitet. Die daraus entstandene Werkgruppe hat er "ZEITformen" genannt.
Für jeden Tag eines Jahres hat er eine kleinere Skulptur gebaut - aus Fundstücken, die er an dem Tag gesucht hatte. Die Skulpturen repräsentieren neben Ihrer eigenen Form auch Zeit und Ort die durch das material bestimmt und erkennbar sind. Auf diese Weise wurde jedem Tag eine unverwechselbare Gestalt und Sinnform gegeben, und den Fundstücken eine neue Zeit- und Raum-Bestimmung zugewiesen.

1992 und 1993 entstanden zur Begleitung der Ausstellung der 365 Kleinskulpturen, in Würzburg und Flensburg die Monumentalskulpturen "ZEITformer". Der Würzburger ZEITformer ist im Besitz des Skulpturenparks Pampin. Der Flensburger steht jetzt am Fischergraben in Parchim und eröffnete damit den Reigen des Corsos der Skulpturen.

Eine weitere Werkgruppe, bestehend aus 54 Objekten, ist eine Hommage an die Recycling - Kunst in Afrika. Es handelt sich um Kunststoffarbeiten, die in eine Coladose passen.

Mit der Jahrtausendwende fing auch für das Schaffen Benjamin Schuberts ein neues Zeit(formen)alter an: Er konzentriert sich seitdem auf schreibschriftliche Neonzeichen, die als Werbung immer mehr verschwinden. Die Schriftzüge nimmt er auseinander - demontiert sie - und setzt die einzelnen Buchstaben nach einer Idee künstlerisch neu zusammen. So entstehen Lichtgestalten ganz besonderer Art. 2004 fand ein Corso der Lichtgestalten bundesweit in 36 Städten statt. Montiert auf Anhänger zogen die Skulpturen leuchtend in den Abendstunden durch das Land am Morgen jeweils platziert an zentraler Stelle, begleitet von medialer Berichterstattung, insbesondere vom täglichen Frühstücksfernsehen. Der übergeordnete Sinn und Zweck des Corsos war es, auf das zunehmende Problem des (verdeckten) Analphabetismus aufmerksam zu machen und dafür zu sensibilisieren. Steht man vor den Skulpturen, so vermag auch der Lesekundige nicht sofort die ursprüngliche Bedeutung der Schriftzeichen zu enträtseln. Einer ähnlichen Situation sieht sich der Analphabet angesichts geschriebener Wörter ausgesetzt.

Auseinandersetzung mit Problemen unserer Gesellschaft und Zeit findet sich auch in dem geplanten Projekt "w.u.g.g." wieder. Von der Sparkasse in Dortmund stammende Schriftzeichen "Wenn's um Geld geht" warten darauf, in eine neue Lichtgestalt geformt zu werden und damit zu zeigen, dass Geld nicht alles bedeutet, nicht der Sinn unseres Lebens ist und - wie die aktuelle Finanzkrise zeigt - jederzeit an Wert verlieren kann.

Auf die Veränderungen unserer Städte und ihrer Umfelder, die immer gleichförmiger und austauschbar werden, ihr eigenes Gesicht zu verlieren drohen, zielt das gerade begonnen Projekt "Stadtlichter" ab.
Mit seinen Lichtskulpturen, die aus Spuren einer anderen Zeit zusammengesetzt sind und Spuren in einer neuen, der heutigen Zeit setzen und hinterlassen, hat Benjamin Schubert in der voll besetzten Kunstszene eine eigenständige Formensprache gefunden. Eine Reminiszenz an die frühere Schaffensperiode bleibt allerdings: Er träumt davon, eine große Maschine - als Hommage an Tinguely - zu bauen, und freut sich, diese zu seinem 50. Geburtstag im Jahr 2011 im Skulpturenpark Pampin realisieren zu können. (4277)

Ansichten zur Teilnahme Benjamin Schuberts am Corso der Skulpturen in Parchim

1. Welches sind die Gründe für Ihre Teilnahme am Corso der Skulpturen in Parchim?
"Da ich mich dem im Landkreis Parchim liegenden Skulpturenpark Pampin sehr verbunden fühle und bei der Konzeption desselben mit geholfen habe, habe ich natürlich großes Interesse an der kulturellen Entwicklung und Bereicherung der gesamten Region, insbesondere der Kreisstadt Parchim. So war die Anfrage zur Beteiligung am Corso der Skulpturen für mich ein willkommener Anlass, in Parchim direkt Zeichen zu setzen. Parchim ist für mich eine alte Residenz- und Handelsstadt mit einem reichen Kulturerbe: Backsteingotik, Fachwerkhäuser, Stadtvillen. Besonders reizvoll ist die Lage der Stadt an der Elde, die viele idyllische Plätze zum Verweilen bietet - insbesondere für Großstädter aus den lärmenden und stressigen Metropolen Berlin und Hamburg."

2. Was bezwecken Sie mit der Präsenz Ihrer Skulptur in Parchim?
"Ich möchte meinen Beitrag dazu leisten, dass sich die Parchimer, die in ihrem Stadtbild bislang nicht an Ausdrucksformen der Kunst gewöhnt waren, mit Kunst auseinandersetzen, neue Sichtweise suchen und ihren jeweils individuellen Zugang zu dem Kunstobjekt finden. Wenn jemand zunächst neugierig, irritiert stehen bleibt und dann überlegt, was da zu sehen ist, was die Skulptur darstellt oder bedeuten könnte, ist schon viel gewonnen. Dann wird ein aktiver Kommunikationsprozess in Gang gesetzt, der zu neuen Einstellungen und Sehgewohnheiten führen kann. Diese Offenheit für Neues oder Anderes ist aus meiner Sicht eine sehr wichtige Kompetenz, um Toleranz zu entwickeln, mit den rapiden Veränderungen unserer Zeit Schritt zu halten und sich der Zukunft mit Zuversicht zu stellen."

3. Warum haben Sie gerade diese Skulptur für Parchim gewählt?
"Der ZEITformer symbolisiert den Wandel der Zeit. Er trägt die Spuren der Vergangenheit in sich: Die von einer Schiffswerft stammenden Stahlteile, aus denen er zusammengesetzt ist, stammen aus einer anderen Zeit, als der Arbeiter, hier speziell der Hafenarbeiter, noch eine wichtige Funktion hatte. Und er ist eine Hommage an den Wert und die Würde des Arbeiters und damit gleichzeitig ein Mahnmal gegen Billiglohn, Outsourcing und Entwertung der menschlichen Arbeitskraft. Ohne die zupackende Arbeit der vielen "Malocher" in den Fabriken und Häfen, Werkhallen und Krankenhäusern, die unter oft widrigen Bedingungen stattfindet, wäre unsere Gesellschaft nicht überlebensfähig. Meine Skulptur steht deshalb auch für die Würde der Arbeit und als Zeichen dafür, dass alle Menschen, die arbeiten können und wollen, eine angemessene Arbeit in ihrer Region finden. Das Schaffen, Bereitstellen und Erhalten von Arbeitsplätzen muss deshalb höchstes Anliegen von Politik und Wirtschaft sein."

4. Warum haben Sie sich für den Standort entschieden?
"Als Symbolfigur für den "Malocher" und Hafenarbeiter, zumal aus Werftfundstücken entstanden, hat die Skulptur einen unmittelbaren Bezug zum Wasser und zum Bootsanleger an der Elde. Beides ist am Fischergraben gewährleistet. Außerdem ist der ZEITformer eine sehr kommunikationsfreudige Skulptur - am Fischergraben ist für häufige Begegnungen gesorgt. Ort und Objekt passen zusammen - wie gesucht und gefunden."

5. Wie ist die Skulptur entstanden?
"1993 fand die Ausstellung ZEITformen in Flensburg statt. Begleitend dazu habe ich in 5 Tagen am Museeumshafen dieses Skulptur gebaut. Dazu hatte die Flender-Werft einen Container mit Stahlteilen aus dem Schiffbau bereit gestellt. Die Idee, die Fundstücke in einen Sinnzusammenhang zu bringen, der der ursprünglichen Bestimmung nicht total wesensfremd war, lag nahe. So entstand zunächst die abstrakte Vorstellung vom Hafenarbeiter. Dann ging ich daran, in dem vor mir liegenden Puzzle das Bild zu suchen und die geeigneten Objekte auszuwählen. Diese mussten dann geschnitten, zusammengefügt und aneinander geschweißt werden. Das Ergebnis steht nun am Fischergraben. - Aus Teilstücken der Arbeit ist eine Arbeiter entstanden."

6. Was drückt die Skulptur aus?
Sie setzt ein Zeichen für den Wert der Arbeit. Sie ist sehr konkret und strahlt sehr viel positive Energie, Stolz und Würde aus, weist nach vorne und ist zukunftsorientiert. Sie vereint Tradition und Moderne, Alltag und Kunst. Sie ist ein Symbol für Selbstbehauptung und Standfestigkeit auch in schwierigen Zeiten. Der ZEITformer fühlt sich wohl an seinem neuen Platz in Parchim an der Elde."

Das Interview mit Benjamin Schubert führte Ortrun Venth-Vogt/kulturforum Pampin