Utz Brocksieper - "Skulpturen 1973-2006 und Neues vor Ort"

Utz Brocksieper ist ein klassischer Bildhauer mit profunder Handwerklichkeit und zeitloser Formensprache. Seine grundlegende künstlerische Ausdrucksform ist der Keil in allen denkbaren Funktionen und Variationen. Mit dieser Form greift der Künstler zurück auf eine Urform, ein archaisches Werkzeug, das für die kulturelle Entwicklung der Menschheit von elementarer Bedeutung ist. Der Keil hat für Brocksieper mehr als instrumentelle Bedeutung: Er ist für ihn eine Sinnform, ein „Symbol für auslösende Kräfte“ – positiver wie negativer Art. Der Keil spaltet, durchdringt, er schafft Neues indem er Altes zerteilt, bewirkt so Bewegung, Veränderung in Zeit und Raum.

Damit berührt Brocksieper tiefgründige Fragen des Daseins: die Eingriffe des Menschen in Natur und Kultur, in soziale Strukturen und politische Zusammenhänge – mit konstruktiven wie destruktiven Auswirkungen.

Die dialektische Auseinandersetzung mit Antagonismen zieht sich als Leitmotiv und darstel-lerisches Prinzip durch sein gesamtes Schaffen. Statik und Dynamik, Ordnung und Bewegung, Tradition und Fortschritt sind für ihn keine Gegensätze, sondern sich wechselseitig bedingende und ergänzende Daseinsformen.

Dieses Verständnis der Dinge und Zusammenhänge spiegelt sich wider in den Themen, im Umgang mit den Materialien, in den Konfigurationen. In der scheinbar traditionellen Darstellungsweise steckt bei näherem Hinsehen eine immer moderne Zeitlosigkeit des künstlerischen Ausdrucks. Dialektisch ist ebenfalls der Dialog, den die Skulpturen mit dem Raum eingehen, ihn in Schwingungen versetzen und zum Klingen bringen: Die schweren Figuren füllen den Raum mit stoischer Präsenz und kraftvoller Ruhe, die „Fragiles“ gestalten ihn auf feinsinnige Art und schaffen neue Raumgefühle; die dynamischen, schreitenden Figuren durchmessen den Raum und vermitteln die Flüchtigkeit der Zeit, die statischen Figuren verharren im Raum und lassen die Zeit scheinbar stillstehen.

Bei aller beachtlichen Vielfalt der Formen und Themen weisen die verschiedenen Werkgruppen Utz Brocksiepers über die Jahrzehnte eine konsequente, durchgängige und unverwechselbare Handschrift auf. Der Künstler arbeitet mit einem Grundinventar an Materialien und Werkzeugen, Formen und Schnitten; durch konsequentes Festhalten an Grundformen und Prinzipien vermeidet er Beliebigkeit und Oberflächlichkeit. Er versteht es meisterlich, sein minimalistisch anmutendes Instrumentarium vielfältig zu variieren, um so zu einem Maximum an gestalterischem Ausdruck zu gelangen.

Seine Skulpturen zeichnen sich durch klare Formen und vitale Kraft, fragile Linien und basale Konturen aus. Sie wirken wie Signaturen der Reduktion auf das Wesentliche, sind das Ergebnis eines Prozesses gründlicher Reflektion und Sinnsuche. Sie sind profund und authentisch, ein Teil des Künstlers. Wie Utz Brocksieper selber treten sie bescheiden auf, drängen sich trotz der Schwere des Materials nicht in den Vordergrund und – das ist ihr Geheimnis – kombinieren auf eine magische Weise Sinn und Form. Kurzum: Sinnformen von zeitloser Klasse.

Mit der Ausstellung wesentlicher Skulpturen aus den verschiedenen Werkgruppen Utz Brocksiepers öffnet der Skulpturenpark Pampin seine Tore für die interessierte öffentlichkeit. Der Skulpturenpark will mit dieser Ausstellung einen Beitrag zur Entwicklung und Belebung der Region rund um die Ruhner Berge leisten. Geplant sind weitere Ausstellungen für die nächsten Jahre mit Bildhauerinnen und Bildhauern aus dem In-und Ausland.

Ausgewählte Objekte sollen in den umliegenden Orten aufgestellt werden und so einen „Corso der Skulpturen“ entstehen lassen. Auf diese Weise soll die Lebensqualität und Attraktivität für die Bewohner und die Besucher der Region Ruhner Berge erhöht werden. Gemeinsam mit anderen Angeboten soll die landschaftlich reizvolle Gegend zu einem für den Tourismus interessanten Gebiet entwickelt werden – und als Brückenregion zwischen den Elbtalauen, der Seenplatte und der Ostseeküste eine Perspektive für die Zukunft erhalten.

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