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REISSWOLF Malerei, Objekte, Installationen der Künstlerinnengruppe zart & zackig aus NRW 28. 8. - 9. 10. 22

Der ambivalente Name zart & zackig ist nicht nur kennzeichnend für das Selbstverständnis der Gruppe, sondern programmatisch für ihre Werke: berührend und widerspenstig, einfach und vieldeutig, individuell und allgemeingültig, profan und existentiell relevant. Das Alltägliche zur Kunst zu erheben und die Kunst zum Alltäglichen (frei nach Ulrike Herrmann, 1990) ist das Anliegen einer Jeden – und das mit je eigenen Ausdrucksformen, Gestaltungsmitteln, Medien, Techniken. Dabei vereint sie das Anliegen, mit einfachen, banalen Materialien zu arbeiten. 

Will man die Ansprüche, die Arbeits- und Ausdrucksweise der Künstlerinnen-Gruppe z & z einer Kunstrichtung zuordnen, so drängt sich ihre Nähe zur Konzeptkunst und arte povera auf.

Das von der PAMPINALE 6 vorgegebene Thema UMBRÜCHE – Kunst im Zeichen der Krisen – passt genau in ihr Konzept. Sie haben es für die Realisierung ihrer Ideen noch weiter ausdifferenziert und ihrer Ausstellung den vielsagenden Titel REISSWOLF gegeben. 

In den künstlerischen Exponaten – Objekten, Installationen, Computeranimation – konkretisieren sich unterschiedliche Bedeutungsfacetten unter einem großen gemeinsamen Dach: Zerstörung, Gefährdung. Der Titel der Ausstellung wird in dreifacher Weise interpretiert: als Reißwolf, REISSwolf und ReißWOLF.

 

In der Gruppe „Reißwolf“ sind es Gefahren für Leib und Leben: Wölfe von Marianne Pitzen als Metapher für das Unheimliche; als Speicher des Wissens und der Zeitgeschichte aufgrund des Materials: zerrissene Zeitungen und Leim. Marianne Pitzen ist die Gründerin des Frauen-Museums Bonn. Unter ihren vielen Auszeichnungen befindet sich das Bundesverdienstkreuz (1998). Lazarett von Heide Pawelzik als Parabel für die menschliche Existenz, u. a. für Verwundung und Heilung, physische wie psychische; leere Betten aus Eisen und Pappmaché, präsentiert in strenger geometrischer Anordnung - ästhetisch kühl und zugleich bedrückend. Die Computeranimation Einzeln sein von Anna S. von Holleben als Parabel für Disruption. Eine Ameise schert plötzlich ohne erkennbaren Grund aus der Massenbewegung aus und geht in eine andere Richtung. Warum?

 

Eine zweite Gruppe, REISSwolf, geht von der wörtlichen Bedeutung von Reißwolf aus: Aktenvernichter. Die Zerstörung betrifft Dokumente, Geschriebenes, Gedrucktes, Medien.: Feldpostbriefe des im Krieg gefallenen Vaters von Tina Wedel werden von der Künstlerin zwischen den Zeilen überschrieben, auf diese Weise ‚beantwortet‘ und neu gestaltet. Die Präsentation auf rechteckigen Schieferplatten erinnert an Grabsteine.Zerknüllte Dokumente von Martine Metzing-Peyre verweisen auf einen Prozess von Konstruktion - Destruktion - Konstruktion. Handgeschriebene Texte werden zerrissen, wieder zusammengesetzt und in zerknüllte raumgreifende Papierobjekte geformt. Tina Schwichtenberg – als Gastkünstlerin bei z & z – hat bereits Anfang der 1990er Jahre das Thema „Reißwolf“ antizipiert. Ihre damals entstandenen Arbeiten sind heute genauso aktuell wie einst. Das Ruhekissen mit geschredderten STASI-Akten verweist auf die Vernichtung von belastendem Beweismaterial. So lässt es sich besser schlafen. Der zerschnittenen LeninBand stellt nicht nur den Leninismus, sondern Ideologien mit ihrem rigiden Absolutheitsanspruch grundsätzlich in Frage. Wenn Rahmen Trauer tragen /von Ilse Wegmann ist eine höchst ambivalente und gehaltvolle Installation. ihres Inhalts entleerte Rahmen entdecken ihre eigenen Werte, spielen nicht die Neben-, sondern die Hauptrolle. Sie umhüllen auf ausgeklügelte Weise mehrfach die Leere, die Leere ist nicht leer. Es stellt sich die philosophische Frage: Was ist Leere?

 

Die dritte Gruppe ReißWOLF stellt relevante soziokulturelle Fragen: Marlen Seubert behandelt mit ihren Installationen, die sie vorzugsweise aus transparenten, luftig-leichten Tierhäuten, Schweineblasen und Eutern gestaltet, Themen von wuchtiger Schwere und vehementer Aktualität: Gewalt und Missbrauch, auferlegte Zwänge und Fanatismus, Schmerz und Leid. 

Mit dem Exponat Tod durch Schokolade verknüpft Inge Broska die essentiellen Themen Essen und Sterben und mahnt, dass übermäßiger Genuss tödlich sein kann.

Neues im Skulpturenpark PAMPIN