QUERSCHNITTE - 60 Jahre Kunst in 3 Generationen

Inge Flierl: Tapisserie - Florian und Marco Flierl: Skulptur - Caroline Böttcher: Fotografie

Im Mai eröffnet das kulturforum Pampin – Skulpturenpark/Galerien die Saison 2014. Das kulturforum lädt alle Freunde der Kunst herzlich ein zur Vernissage am Sonntag, dem 11. Mai um 15:00 Uhr zu der großen Ausstellung QUERSCHNITTE – 60 Jahre Kunst in 3 Generationen. Sie gewährt eindrucksvolle Einblicke in das Schaffen der renommierten Berliner Künstlerfamilie Flierl, die sich in Pampin erstmals in einer gemeinsamen Ausstellung von drei Generationen vorstellt: die Mutter Inge Flierl, ihre beiden Söhne Florian und Marco Flierl, die Enkelin Caroline Böttcher.

Inge Flierl: Tapisserie

Inge Flierl hat nach ihrem Studium an der Hochschule für Bildende Künste, Berlin-Charlottenburg, nicht die Staffelei und Leinwand, sondern den Webstuhl und die selbst eingefärbte Wolle als Medien ihrer bildnerischen Ausdrucksform gewählt und damit einen künstlerischen Prozess, der Zeit und Geduld abverlangt. Die Entwicklung von der kreativen Idee und deren Übersetzung in eine Bildvorlage bis zur Realisierung am Webstuhl lässt sich langsam Schritt für Schritt verfolgen und gestattet immer wieder auch Zufällen Spielraum. Die im Werkverzeichnis vorgestellten 211 Bildteppiche lassen ein breites Motivspektrum erkennen: Menschen, Tiere, Pflanzen, Mythologien, Allegorien; abstrakte und figürliche, realistische und symbolistische, streng geometrische und rhythmisch schwingende Kompositionen in allen Formaten bis zu monumentalen Größen von 210 x 355 cm. Inge Flierl spielt meisterlich und nuancenreich mit Formen und Farben, Licht und Schatten. Ihre Bildteppiche sollen – so sagt sie selber - ein „Fest fürs Auge sein...lebensbejahend, voller Poesie und zur Meditation verführen“. Inge Flierl, die während ihres langen Schaffens unbeirrt blieb von modischen Strömungen, ist der Gobelinkunst treu geblieben und hat dieser zu neuer Belebung verholfen. Im kulturforum Pampin – Skulpturenpark/Galerien sind einige ihrer bedeutendsten Tapisserien zu bewundern.

Florian Flierl und Marco Flierl: Skulptur

Florian und Marco Flierl haben das künstlerische Talent ihrer Eltern geerbt. Sie sind mit Leidenschaft Künstler, in erster Linie Bildhauer. Ihr bevorzugtes Material ist Bronze. Die Bronzegüsse fertigen sie in der zusammen aufgebauten und heute von Marco Flierl betriebenen Kunstgießerei in Berlin-Weißensee an. Wenn sie auch mit demselben Material und vornehmlich figurativ arbeiten, so sind ihre Ausdrucksformen, ihr Stil und ihre Ästhetik doch grundverschieden. Und das macht die Ausstellung spannend. Florian Flierl, der Ältere, hat bei der Suche nach der Idealform – so scheint es – archaische Bilder im Kopf. Seine ausschließlich figürlichen Plastiken strahlen eine vehemente Präsenz aus – „hier bin ich“. Sie stimulieren tiefere Schichten erotischer Empfindsamkeit. Es ist die strenge Linienführung einerseits und die geballte Sinnlichkeit der Formgebung andererseits, die seinen Plastiken eine wiedererkennbare vitale Prägnanz verleihen. Durch die Konzentration auf wenige Linien, geometrisierte Volumen sowie pralle Formen und existentielle Themen erinnern die Arbeiten nicht nur an frühgeschichtliche und antike Idole und Gestalten. Die im Sandgussverfahren hergestellten Profile und Figuren haben durch ihren silhouettenhaften Auftritt und ihre idealtypisierende Substanz auch eine überzeitliche Anmutung. Eine kühle, edle Schönheit zeichnet die fast ausschließlich in Bronze gegossenen, meist figürlichen Arbeiten von Marco Flierl aus. Sie beeindrucken mit einer oft geschlossenen, nach innen gerichteten Haltung und einem gesammelten Ausdruck. Die facettenartig strukturierten Oberflächen seiner kubistisch anmutenden größeren Objekte sind häufig glatt, dabei raffiniert eingefärbt, wodurch die Struktur der Figuren markanter und lebendiger hervortritt. - Eine ganz andere Ästhetik und Ausstrahlung haben die Werkgruppen seiner bronzenen Kleinplastiken, deren Oberflächen oft schrundig sind. Die erotischen Aktfiguren ziehen die Blicke durch ihre variantenreichen Stellungen auf sich. Sie zeugen von suchender Lebensbejahung, dem ewigen Streben nach lustvoller Erfüllung und sinnesfrohen Fantasien.

Caroline Böttcher: Fotografie

Marco Flierls Tochter Caroline Böttcher hat ihre ersten Foto-Serien in der spontanen Art des erspürten Zufalls der „Street Photography“ aufgenommen. Auffällig sind ihr wacher, erkennender Blick für prägende Lebensverhältnisse und ihre typisierende Fixierung alltäglicher Augenblicke und Situationen: Menschen, Objekte und Momente unverstellt in Szene zu setzen, erfordert fixe und geübte Reaktionen. Auf diese Weise macht sie Empfindungen und Ereignisse, Umbrüche und Wandlungen, Menschen und Strukturen sichtbar – ihre Fotos sind Einstieg in Erzählungen aus dem Kosmos lebensweltlicher Gegebenheiten. Mit ihren ersten Arbeiten ist der jungen Fotografin ein eindrucksvoller Auftritt gelungen, der für die Zukunft einiges verspricht.